Open Source und Self Hosting: Wie wir unsere Systeme betreiben
Wenn Du bei INWX eine Domain registrierst, ein TLS-Zertifikat buchst oder DNS-Einträge änderst, laufen diese Vorgänge über Systeme, die wir selbst aufgebaut haben und selbst betreiben. Auf eigener Hardware, in deutschen Rechenzentren, mit Software, die größtenteils Open Source ist.
Der einfachere Weg wäre es, die Infrastruktur zu mieten, statt sie selbst zu betreiben. Ob Managed Datenbanken, Managed DNS oder Object Storage, die großen Cloud-Anbieter haben für jeden Baustein ein Produkt, das sich innerhalb kürzester Zeit bereitstellen lässt. Kein Rechenzentrum, keine Hardware-Beschaffung, kein Bereitschaftsdienst für ausgefallene Festplatten.
Doch wir haben uns bewusst für Open Source und Selfhosting entschieden. Warum wir diese Entscheidung so getroffen haben, erklären wir hier.
Warum wir am liebsten Open Source nutzen und was das tatsächlich bedeutet
Open Source bedeutet, dass der Quellcode einer Software öffentlich einsehbar ist. Im laufenden Betrieb folgen daraus folgende Vorteile:
Nachvollziehbarkeit: Wenn Software sich anders verhält als dokumentiert, können wir selbst in den Code schauen und das Problem beheben. Wir sind unabhängig und nicht angewiesen auf den Support-Kanal des Herstellers.
Anpassbarkeit: Über 2.200 Domain-Endungen mit jeweils eigenen Regeln, Registry-Schnittstellen in unterschiedlichen Ausbaustufen, Sonderfälle bei ccTLDs: Kein Standardprodukt kann diese Komplexität vollständig abdecken. Darum ist Open Source hier besonders wichtig, und wir haben eine Software, die wir bei Bedarf erweitern und auf unsere Bedürfnisse anpassen können.
Keine erzwungenen Wechsel: Proprietäre Produkte können eingestellt oder umlizenziert werden. Wer darauf aufgebaut hat, muss migrieren. Man ist also abhängig von den Entscheidungen des Herstellers. Bei etablierten Open-Source-Projekten bleibt auch der alte Code weiterhin verfügbar, und in der Regel entsteht eine Fortführung.
Warum wir lieber selbst hosten
Nur weil wir Open-Source-Software nutzen, heißt das nicht zwingend, dass diese auch unabhängig gehostet wird. Denn man kann Open-Source-Produkte auch als gemanagten Dienst einkaufen. Dass wir unsere Infrastruktur zusätzlich selbst hosten, hat verschiedene Gründe.
Überschaubarer Datenfluss: Bei einer Domain-Registrierung fallen personenbezogene Daten an. Diese müssen zwar auch an die Registries, die Vergabestellen der Domain-Endungen, weitergegeben werden, aber was darüber hinaus mit den Daten passiert, entscheiden wir. Die Datenbanken laufen auf unserer eigenen Hardware, es gibt keinen zusätzlichen Auftragsverarbeiter und keine Frage nach Serverstandorten in Unterauftragsverhältnissen. Somit wird die Einhaltung der DSGVO vereinfacht, da ein kürzerer Datenweg bedeutet, dass es weniger zu prüfen gibt.
Wir können Fehler selbst beheben: Fällt bei einem gemieteten Dienst etwas aus, können wir lediglich ein Support-Ticket öffnen und auf die Behebung durch den Hersteller warten. Fällt in unserer eigenen Infrastruktur etwas aus, kann unser Team direkt auf die betroffenen Systeme zugreifen und aktiv werden.
Unabhängigkeit von Konsolidierung: Ein großer Teil des Internets läuft über einige wenige Anbieter. Wenn dort etwas ausfällt, sind regelmäßig sehr viele Dienste gleichzeitig betroffen. Eigene Infrastruktur schützt zwar nicht vor Ausfällen, aber sie sorgt dafür, dass unsere Verfügbarkeit von unseren eigenen Entscheidungen abhängt.
Warum das auch für Dich als Kunde wichtig ist
Als INWX‑Kunde merkst Du von den Details wenig – und das ist auch richtig so. Infrastruktur soll unauffällig sein.
Spürbar wird sie erst in Ausnahmefällen: wenn eine exotische ccTLD eine Anpassung im System benötigt, wenn nachts eine Festplatte ausfällt, wenn eine Änderung an Deinen DNS-Einträgen sofort greifen muss. In diesen Momenten ist der Unterschied, ob wir ein Ticket öffnen oder selbst an die Systeme gehen können.
Doch es gibt einen Punkt, der unabhängig von Störungen jeden Tag gilt: Deine Daten bleiben bei uns. Was wir an Registries weitergeben müssen, geben wir natürlich weiter – das gehört zum Domaingeschäft dazu. Aber ansonsten liegen Deine Daten bei INWX, nicht bei einem großen Cloud-Anbieter, der sie in unserem Auftrag verarbeitet, nicht in einem Rechenzentrum außerhalb Deutschlands, nicht bei einem der großen US-Konzerne, deren Datenschutz anderen Grundsätzen unterliegt als unserem. Sie liegen auf unseren eigenen Servern in Deutschland – und damit vollständig im Geltungsbereich der DSGVO.
Das macht die Sache für uns einfach zu erklären und für Dich einfach nachzuvollziehen. Es gibt kürzere Ketten von Auftragsverarbeitern und Unterauftragnehmern, deren Standorte Du nachverfolgen müsstest, weniger Standardvertragsklauseln für Drittlandtransfers oder offene Fragen, ob eine ausländische Behörde Zugriff auf Systeme verlangen könnte, in denen auch Deine Daten liegen.
Ein Auszug aus unserer Infrastruktur
Debian ist das Betriebssystem auf unseren Servern. Lange Support-Zeiträume, konservative Update-Politik, gute Dokumentation. Für Systeme, die jahrelang unterbrechungsfrei laufen sollen, ist Berechenbarkeit wichtiger als aktuelle Paketversionen.
PowerDNS betreibt unsere DNS‑Infrastruktur. Es ist modular aufgebaut, arbeitet mit verschiedenen Datenbank-Backends zusammen und lässt sich über eine API steuern – das ist die Grundlage dafür, dass Änderungen an Deinen DNS-Einträgen im Kundenbereich schnell wirksam werden. DNSSEC-Unterstützung bringt es ebenfalls mit.
OpenSSH sichert die Verbindungen zwischen unseren Systemen und den administrativen Zugriff. Es wird im OpenBSD-Projekt entwickelt, das für einen sehr strengen Umgang mit Codequalität und Sicherheitsfragen bekannt ist. Wer sich per SSH auf einen Server verbindet, nutzt mit hoher Wahrscheinlichkeit diese Implementierung.
Proxmox VE ist unsere Virtualisierungsplattform. Sie fasst mehrere physische Server zu einem Cluster zusammen, auf dem virtuelle Maschinen laufen – die sich bei Bedarf zwischen Knoten verschieben lassen, etwa vor Wartungsarbeiten an einem Host. Proxmox wird in Wien entwickelt und steht unter einer freien Lizenz.
IPinfo liefert die Geodaten zu IP-Adressen, die wir benötigen, um Benutzer:innen unserer Website auf die richtige Sprache oder Währung weiterzuleiten. Dazu nutzen wir die Datenbank als lokale Kopie auf unseren eigenen Servern und aktualisieren sie in regelmäßigen Abständen. So verlässt keine IP-Adresse unser Netz.

Katrin Hrubesch
Katrin kennt durch ihre vorherige Erfahrung in der Webentwicklung die zahlreichen Facetten des Internets—von Domains über Websites bis hin zu digitalen Strategien. Seit 2024 verstärkt sie das INWX-Team und teilt in unserem Blog ihr Wissen über Webtechnologien, Domains und aktuelle Branchentrends.